Kein(e) Bulle(n) auf dem transgenialen CSD

Und damit sind nicht (nur) die am Rande stehenden „Begleiter_innen“ gemeint, sondern insbesondere (ein) Bulle(n) innerhalb der Demo-Teilnehmenden!

Wir (ein Zusammenschluss aus links-/queeren Polit-Gruppen und Einzelpersonen) sind mit der diesjährigen Entscheidung der Orga-Crew des transgenialen CSDs nicht einverstanden, Bullen in der Demomasse mitlaufen zu lassen, und dies auch noch total „okai“ zu finden!

Nicht mit uns!
Bullen gehören nicht auf den transgenialen CSD!

Die (Enstehungs-)Geschichte des (Berliner) CSDs, insbesondere des transgenialen CSDs ist eine Geschichte des Wider- und Aufstands gegen Repression und Gewalt durch Bullen!(1)
Die Duldung auch nur eines einzigen Bullen innerhalb des transgenialen CSDs widerspricht dem Ursprung, Anlass sowie Sinn und Zweck dieser Demonstration!
Jede_r, der_die beim diesjährigen transgenialen CSD mitläuft und sich nicht sichtbar gegen Bullen positioniert, erklärt sich mit der Anwesenheit von Bullen innerhalb des Demonstrationszuges einverstanden. Jedes Schweigen ist eine Zustimmung!

Darum werdet aktiv!
Denkt euch selber etwas aus und/oder achtet auf Ankündigungen!

Kein(e) Bulle(n) auf dem transgenialen CSD!

FAQs:

„Aber das ist doch Diskriminierung/ Ausgrenzung.“

Diskriminiert werden können Menschen aufgrund bestimmter Merkmale, die von einer Gruppe oder Einzelpersonen als minderwertig gegenüber sich selber bzw. der eigenen Gruppe gewertet werden. Sie erfolgt also hierarchisch von „oben nach unten“. Folglich ist der Wunsch des Ausschlusses von (insbesondere Weißen/männlichen) Bullen von links-/queeren Veranstaltungen keine Diskriminierung. In einer auf Autoritäten basierenden Gesellschaft kann unserer Meinung nach eine Person, welche eine institutionelle Autorität verkörpert, nicht von einer marginalisierten Gruppe diskriminiert werden.
Zudem verdrängt die Akzeptanz auch nur eines einzelnen Bullen auf linken Veranstaltungen aktiv viele linke Menschen.
Da Bullen linke Räume (wahrscheinlich) nicht freiwillig verlassen, ist eine aktive Ausgrenzung die letzte Möglichkeit, sie aus linken Räumen fernzuhalten!

Aber dieser Bulle ist doch einer von den „Guten“/“uns“.

Kein Bulle kann einer von „uns“ sein. Er kann zwar trans*/schwul/lesbisch/bi/queer/
BDSMler/poly/usw.… sein, aber das macht ihn noch lange nicht zu einem „guten“ Bullen! Außerdem spricht ihn das auch nicht von seiner Verpflichtung als Bulle frei, jederzeit bei Straftaten einschreiten zu müssen! D.h. jede politische Aktion(s)-(form)/Gruppe, die sich kritisch mit den bestehenden Herrschaftsformen/ Hierarchien/Geschlechter-Binaritäten/usw.… auseinandersetzt und sie möglichst abzuschaffen versucht/ändern möchte, läuft automatisch „Gefahr“ nicht „Gesetzes-konform“ zu handeln. Das bedeutet, dass das Dulden von Bullen in dem eigenen (links-)politischen Kontext, dem freiwilligen Aufnehmen eines Zivil-Bullens gleichkommt.
Ein Bulle ist immer und jederzeit zum Einschreiten verpflichtet! Im Zweifelsfall auch gegen dich, der du „aus Versehen“ „Bulle“ gesagt hat.

„Aber z.B. macht das BKA doch „sinnvolle“ Sachen!“

Zu den Aufgaben eines BKA-Bullens gehört unter anderem:
Gefährdungssachbearbeitung, internationaler Terrorismus, Spionage, politisch motivierte (Ausländer-)Kriminalität, (Extremismus und Terrorismus), verdeckte Ermittlungen und Führung von Vertrauenspersonen (Zivis), Telekommunikationsüberwachung, Personenerkennung, Datenbankverwaltung von z.B. dem automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungssystem (AFIS) oder der DNA-Analysedatei, Spreng- und Branddelikte, Aus- und Fortbildung für Polizeien des Bundes und der Länder, Bürger-Polizei-Verhältnis, Kriminalitätsprävention durch z.B. Infopool, einer Sammlung effektiver in- und ausländischer Präventionsprojekte, usw…

„Aber er_sie sagt doch, er_sie sei „links“.“

Wer Bulle ist/wird, kann nicht „links“ sein! Als Bulle bist du verpflichtet, gleich gegen alle „kriminelle/subversive“ „Elemente“ vorzugehen! und wer das ist, bestimmt allein der Staat! D.h, dass es (nicht nur im Zweifelsfalle) egal ist, wer oder was getan wird oder hat. Also, dass es auch egal ist, ob du selber „links“ oder „rechts“ bist. Ein Bulle kann/darf NIEMALS solidarisch mit dir sein, warum sollten „wir“ „solidarisch“ mit ihm sein? Wo „links“ drauf steht, ist noch lange nicht „links“ drin!

„Aber der Bulle ist doch „privat“ hier.“

Ein Bulle ist niemals privat! Er ist jederzeit zum Einschreiten bei Straftaten verpflichtet! Und woher können wir wissen, ob nicht gerade wieder z.B. neue „§129a-infos“ gesammelt werden…?
Spekulieren hilft hier nicht, aber ein „Vertrauen“ auf Ehrlichkeit/Nettigkeit/ Freundschaft noch viel weniger!

Positioniere auch du dich gegen „Bullen in den eigenen Reihen“!
Bastel und (be-)male Transpis, T-Shirts, Aufkleber, Buttons, deine Haut, etc. mit „gegen Bullen auf linken Veranstaltungen“ gegen „Bullen in den eigenen Reihen“, „keine Bullen auf dem transgenialen CSD“ oder was euch sonst noch so einfällt!
Seid kreativ!
Macht euch und eure Meinung sichtbar!

Kein(e) Bulle(n) auf dem transgenialen CSD!

(1) 1997 wurde der „Rattenwagen“, der sich auf ein Landowsky-Zitat bezog, in dem dieser Menschen mit Ratten verglich, von der Polizei mit Unterstützung des Arbeits-kreises „Homosexualität und Polizei“ angegriffen. Daraufhin fand der erste transgeniale CSD als Spontandemo durch Kreuzberg statt. Seitdem steht der transgeniale CSD für eine basisdemokratische nichtkommerzielle Alternativ-struktur, die die jährliche Party mit politischen Inhalten verbindet: gegen Homotransphobie, Patriarchat, Rassismus, und überhaupt gegen Hierarchien jeder Art!
(http://www.yorck59.net/node/110)

Download des Leporello: click